Panikmache mit dem Zika-Virus

„Wir sind extrem alarmiert“, sagt die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation Margaret Chan. Nach WHO-Angaben gibt es in Brasilien möglicherweise 1,5 Millionen Zika-Fälle. Der Erreger steht im Verdacht, Microencephalie (schwere Schädel-Fehlbildungen bei Ungeborenen) zu verursachen, wenn sich die Mutter während der Schwangerschaft damit infiziert. WHO-Virus-Experte Marcos Espinal rechnet mit bis zu vier Millionen Infizierten.

Dazu schreibt mir Dr. Leopold Spindelberger, Wiener Arzt für Arbeits-, Umwelt- und Ernährungsmedizin: „Ich sehe Dinge oft anders, als meine angeblich so wissenschaftlichen KollegInnen. Bisher gibt es nur in 6 von über 3900 Fällen von Mikroencephalie den Verdacht eines möglichen Zusammenhanges mit dem Zika-Virus. Wissenschaft verlangt allerdings einen Kausalzusammenhang, der bisher nicht erbracht wurde. Die bisherigen Aussagen über einen Zusammenhang sind reine Spekulation und das ist äußerst unwissenschaftlich. Nur aufgrund von Spekulationen Maßnahmen zu ergreifen, wie das in Brasilien geplant ist, halte ich für völlig überzogen und unverantwortlich.“

Die brasilianische Regierung ist gerade dabei, unter Mitwirkung von 220 000 Soldaten und 266 000 Mitarbeiter von Gesundheitsbehörden ein gewaltiges Mückenbekämpfungsprogramm aufzulegen, bei dem über 550 Tonnen Anti-Moskito-Mittel und Pestizide gegen die Überträger des Virus eingesetzt werden sollen. Nicht zuerst aus Sorge um die eigene Bevölkerung, sondern um Sportler und Besucher der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro zu beruhigen. An 56.000 Hotels, Bars und Restaurants im ganzen Land sei ein Maßnahmenkatalog verschickt worden. Zudem würden in Rio während der Spiele im August Vorsorge- und Diagnosemaßnahmen verstärkt.

Die Nebenwirkungen von Pestiziden sind hinlänglich bekannt. Pflanzenschutzmittel und andere Chlorverbindungen reichern sich in Fisch und Fleisch an und gelangen über Umwege in unsere Nahrungsmittel.

„Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie dieses Thema aufgreifen und zu einer sachlichen und auf wissenschaftlichen Fakten basierenden Diskussion in der Öffentlichkeit beitragen würden“, schreibt Dr. Spindelberger, „denn jetzt handelt es sich um eine Panikmache, an der sich die Presse weltweit aus meiner Sicht völlig unkritisch beteiligt.“

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